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Ich sehe noch immer das spiegelglatte Meer in der Abendsonne, den Seehund zwanzig Meter entfernt. Wir schwimmen Seite an Seite ins offene Meer hinaus. Das Boot liegt schräg und einsam im Watt. Wir sind die einzigen Menschen in dieser Welt. Wir sind Han Solo, Chewbacca und Prinzessin Leia in ferner Galaxie. Das Watt flüstert, die Priele plätschern leise und ein paar Möwen rufen einander etwas zu. Ich rieche das Salz in der Luft, spüre das samtweiche, warme Watt unter den Sohlen, die Sonne auf der Haut und als wieder Wasser unterm Kiel ist und wir fahren, ich am Bug sitzend, den Wind in den Haaren. Das ist das Bild, das ich als erstes sehe, wenn ich mich erinnere. Obwohl der Rest der Reise ganz anders war. Wir haben uns so gut gefühlt, dass wir in unserer Fantasie die Kajüte wie unser Heim eingerichtet haben. DAS ist ein Leben, so schön kann es sein.

Alle Reisen haben ein Davor und ein Danach. Nicht alle wirken nachhaltig, und bei den meisten weiß man es nicht gleich. Manchmal fühlt sich das Danach eindeutig anders an, als ob man an einem anderen Punkt ein – als aussteigt.

So geht es mir gerade, und das finde ich eigentlich recht verwirrend. Die Reise selbst hatte nicht unbedingt darauf hingedeutet. Die war zwar schön, beinhaltete aber durchaus ihre Herausforderungen, und dies magische Gefühl kam so unstet und launisch wie der Nordseewind. Das aufmischende Potential aber, das war die ganze Zeit Begleiter.

Waren drei Wochen nun lang oder kurz? Beides, eigentlich. Ich bringe das nur verschwommen zusammen. Das passt so schlecht wie die Wollsocken zur Sonnecreme auf der Nase. Kalte Füße, und das Gesicht glüht. Wo die Sonne draufscheint, trifft sie ohne Gnade. Ich drehe den Liegestuhl um. Schön, wenn Probleme einfache Lösungen haben. Ich gehe im Kopf so die anderen durch und entdecke, das Prinzip ist nicht ohne. Innerhalb von Augenblick ist neu arrangiert.

Der Sonntag ist ganz ruhig. Dabei ist der Lockdown vorbei. Ich hänge müde im Hof wie zu geschlossensten Zeiten. Bloß der Grund ist ein anderer. Am Vorabend saß ich zum ersten Mal seit Langem wieder an einem Tresen. Wunderbar!

Es ist fast alles aufgeräumt. Die in Mußestunden gemalten Bilder noch aufgehängt, die Muscheln sortiert, die Fotos gesichtet – dann hat alles einen Platz.

Zum ersten Mal seit Wochen öffne ich das eigene Blog und diverse soziale Medien, überhaupt Medien, und mische mich prompt in eine Diskussion auf einer Tageszeitung-Onlineausgabe.

Ich verteidige Annalena Baerbock. Oder eigentlich tue ich das nicht. Das habe ich vor ein paar Wochen mal auf twitter versucht und festgestellt, das sind gar keine Diskussionen, das sind Schmähtiraden. Aber selbst in dieser gutbürgerlichen Kommentarspalte wird’s schnell bissig. Dabei verteidige ich wie gesagt nicht. Ich schreibe nur, dass ich sie wähle, die Grünen. Dabei ist das noch gar nicht sicher. Eher wahrscheinlich, und da staune ich selbst. Es scheint mir die derzeit einzige Partei, die mich auf Neues hoffen lässt, neu in einer Richtung, die ich als richtig erachte. Und als dringend. Da sind mir ein paar Schnitzer und Holperer gar nicht so wichtig. Manche kommen mir auch recht überhitzt durchgehechelt vor. Und Schnitzer hatten andere - Kohl als ´Birne´ oder ´Angie´, als ´Mädchen´ - auch. Es gibt Schlimmeres, auf jeden Fall Wichtigeres.

Die Sonne verschwindet just zu dem Augenblick, als sie laut meiner WetterApp eigentlich so richtig hätte rauskommen sollen. Ein Blick in die App zeigt unbeirrt Sonne, aber die Wolkendecke ist grau und dicht und lückenlos. Das mit den Vorhersagen ist so ne Sache. „Et kütt wie et kütt un so kütt et ooch“, sagte eine Bewohnerin im Altersheim oft. Ich lasse mich überraschen.

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